Wunderbares Gospelkonzert als Abschluss des Festmonats am 30. Juli 2006Liederkranz Wertingen gab sein Debüt in der Johanneskirche |
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Nach der Begrüßung durch Pfarrer Markus Maiwald zogen ganz in schwarz die Sängerinnen und Sänger des Liederkranzes Wertingen in die Johanneskirche ein. Der musikalische Leiter Werner Bürgle schnippte mit den Fingern den Takt ein und das Klavier begann leise die Melodie des erstens Stückes zu intonieren. Der akustische Bass des Chorleiters zupfte dazu den stampfenden Rhythmus des Liedes. Nach und nach stimmten die Sänger mit ein, bis das Lied “Burden down, Lord” seinen typisch gospelhaften Höhepunkt erreichte. Es klang dann wieder ganz sanft aus in einem Summen des Chores und endete in einer geflüsterten Botschaft. Danach kam das erste genrefremde Stück “We shall overcome”, ein Lied der Bürgerrechtsbewegung. Es war ein Kommentar und eine Ergänzung zum ersten Lied. Bestimmte Lasten bekomme ich aufgelegt, wie Krankheit, Leid und Tod - ich kann sie bei Jesus ablegen. Unterdrückung und Beschneidung der eigenen Persönlichkeitsrechte für bestimmte Bevölkerungsschichten, die eine große Last sind für die Betroffenen, kann ich im modernen demokratischen Staat bekämpfen. Das war klassisch arrangiert und vorgetragen allein durch die Stimmen des Chores. Weiter ging es mit dem Gospeltrain. Perfekt startete Bass und Klavier den Rhythmus und die Melodie von “Somebody´s knocking´”. Die breite und stimmlich sehr fitte Männerbasis, zehn gut geschulte Männerstimmen, übernahmen die Strophen. Dazwischen erklangen leise und dann immer fordernder die Frauenstimmen: “Can´t You hear him? Jesus! - Hörst Du nicht? Jesus klopft an Deiner (Herzens-) Tür!” Speziell an diesem Lied zeigte es sich, dem Chor geht es nicht um den Effekt, sondern um die Verstärkung der Botschaft. Dem Zuhörer wurde es mit dem ausgeteilten, perfekt gedruckten Programm das Mitkommen auch leicht gemacht. Vollständig waren alle Texte in Englisch und auf Deutsch abgedruckt. Jetzt wurde es total spannend. Fritz Karpa ergriff seine Framus-Akustikgitarre und stimmte dann ganz intensiv ein mit “I´m gonna sing” ein. Der Bass variierte und verstärkte den Sologesang. Der Chor schnippte dazu. Dieses Stück kann man nur alleine singen und das klappte bravourös. Beim nächsten Stück war der Chor wieder ganz allein dran mit “Let us break bread together” und gab alles. Es fing leise an und endete in einem Tutti. Die Johanneskirche erbebte bis in alle Ecken und Kanten. Jetzt kam der zweite Stilbruch, der aber perfekt ins Programm passte. Die Jazzmotette “Jubilate” wurde perfekt dargeboten und beim leisem Schluss der Frauenstimmen erstrahlte noch einmal das “Jubilate”, das Jubilieren über allem. Als Zuschauer hätte man am liebsten Mäuschen spielen mögen, um zu sehen, mit welcher Freude und welchem Körperausdruck hier Werner Bürgle dirigierte. Jetzt wurde noch einmal die Wundertüte geöffnet. “Amazing grace - instrumental”, ein irisches Volkslied, stand auf dem Programm. Der Liederkranzleiter intonierte jetzt als Sologeiger die wohlbekannte Melodie, mal klar, mal im Vibrato. Fritz Karpa zupfte dazu den Rhythmus, Christian Liebert begleitet am Keyboard mit Pianoklängen, der Chor summte die Melodie. In einem schwebenden Ton der Geige endete das Stück. Jetzt startete wieder der Gospeltrain und blieb bis zum Ende nicht mehr stehen: Deep River, Jesus is my salvation, Couldn´t hear nobody mit Solo Fritz Karpa, Sometimes I feel, Swing low, Free at last, Just a closer walk wieder instrumental, Do Lord, Nobody knows, Elijah Rock, Were You there. Go tell it on the mountains. War das nun wirklich der Liederkranz Wertingen oder ein Gospelchor? Immer stärker wurde das Publikum in die Welt der Schwarzen fortgerissen. Die positive, lebensbejahende Energie des Gospel sprang über. Das Experiment des Chorleiters hatte geklappt. Mutig sangen einzelne Sänger des Chores ein Solo. Das war einfach so richtig Gospel: Das Zittern, das Jauchzen, das Stöhnen, das Jubeln - die Emotionen sprangen über. Der lauthals vorgetragene Wunsch nach einer Zugabe wurde auch noch erfüllt. Mit dem irischen Segenslied “May God hold you in the palm of his hand” endete ein gelungener Abend und ein erfolgreicher Festmonat anlässlich des 50. Geburtstags der Johanneskirche. Markus Maiwald |