Chronik - zum 50-jährigen Kirchweih-Jubiläum
Früher war'n im Schwabenland
Evangelen kaum bekannt.
Sicher hatte man gehört,
dass Luther einst den Papst gestört,
neue Glaubensbasis schuf.
Augsburg kannte diesen Ruf,
Meitingen jedoch noch nicht.
Die protestantisch-klare Sicht
war doch zu eigen vielen Schwaben.
Auf Distanz wollt' man die haben.
Nur eine ganz kleine Schar
evangelisch gläubig war.
Gottesdienst und Unterricht
gab es selten oder nicht.
Dann kam eine neue Zeit.
Elektrizität befreit
die Bürger nun von Müh und Plag.
Das Personal vom Lech-Werk mag
zum Großteil noch katholisch sein,
doch der Firma zum Gedeihn
verhelfen durchaus Evangelen
auch – bald nicht mehr leicht zu zählen.
Der Strom befreit so auch von Enge,
geistlich gesehen. Denn der Menge
schadet Vielfalt keinesfalls.
Neue Firmen kommen, so als
erstes Siemens-Plania.
Mit Kantine, wunderbar!
Dieser Raum, der ist es jetzt.
Einmal im Monat wird besetzt
er von den Evangelen, die
Gottesdienst hier feiern, wie
seit vielen Jahren schon erträumt.
Danach wird wieder umgeräumt.
Neunzehnsiebenzwanzig endlich
wird nun die Gemeinde kenntlich
auch an einem Kirchenvorstand.
Rechtlich ist sie anerkannt
als eigene Gemeinde nun
und eifrig wollte man das tun,
was jeden Christ mit Freude füllt:
ein Kirchlein bauen! Solches stillt
die Sehnsucht nach der Mitte oft.
Tatsächlich kauft man Grund und hofft
schon zwei Jahre später, dort
das Gotteshaus, den Friedenshort
zu errichten. Doch - wie häufig -
ist das Schicksal gegenläufig
großen Wünschen. Wirtschaftskrise
heißt das Übel. Und die Wiese
bleibt so, wie sie immer war
(heute „Lechpark“ – sonderbar…).
Die Gemeinde nutzt nun heiter,
dankbar die Kantine weiter.
„Gottes Haus ist, wo man feiert“,
sagt man sich erstmal und steuert
einen Grundstücks-Tausch nun an,
weil ohnehin ein Kirchen-Plan
auf dieser Wiese schwierig ist.
Die Abmessung ist einfach Mist.
Der Tausch klappt auch – nach achtzehn Jahren!
Neuer Grund, nun zu bewahren
Kirchen-Träume, Raum-Ideen.
Irgendwann würde sie stehen,
eig'ne Kirche, glaubt man fest.
Krieg, Vertreibung! Jeden stresst
allein das Denken daran schon.
Doch hier wie den verlor'nen Sohn
begrüßt man jeden Protestanten,
der, vertrieben, ohne Tanten,
ohne Hab und Gut erscheint.
Glaube, Kirchbauwille eint.
Erst macht Wertingen das Rennen.
Kirchrat Bessert muss man nennen,
weil es diesem doch gelingt,
was Meitingen zum Träumen bringt:
die Weltvereinigung (lutherisch)
schenkt eine Kirche! Super! Sphärisch!
Meitingen hat weiter keine
und bekommt auch nur die kleine
Neben-Pfarrer-Stelle, leider.
Das schafft sicher manchen Neider.
Die Kantine schätzt man sehr,
aber man will deutlich mehr.
Glaubensfreunde helfen gerne,
stellen Räume, Weihnachtssterne.
Dankend nimmt man dieses an,
doch dem Kirchbau-Willen kann
dies alles seine Macht nicht schwächen.
Endlich woll'n die Lanze brechen
für die Evangelen zwei:
Meitingen ist mit dabei,
lässt gut Geld fürs Kirchlein springen
und – lasst uns ein Loblied singen –
unser Siemens-Plania.
Riesenfreude und Hurra!
Neunzehnsechsundfünfzig steht sie!
Ehre, Hoffnung, Glück umweht sie,
unsre Kirche, damals klein noch,
aber großes Zentrum, Kopf hoch!
Innen ist noch alles leer.
Nur ein Tisch, ein Glöcklein – mehr
ist anfangs noch nicht drin. Doch sehr
freudig wird darin gefeiert,
immer wieder wird beteuert,
dass sie sicher schöner wird.
Darin hat man nicht geirrt.
Neunzehnsechzig kommt der Hauptsitz
weg von Wertingen, her. Kein Witz!
Also Pfarrhaus-Bau, dazu
auch ein Gemeindehaus. Im Nu
alles belegt und schwer gefragt,
so sehr, dass bald ein Ausschuss tagt:
Die Kirche ist zu klein inzwischen.
Geistlich kann man sich erfrischen,
körperlich jedoch nicht mehr.
Und das stört die meisten sehr.
Neunzehnfünfundsechzig bringt es:
Auf dem Glockenturm, da klingt es
dreifach nun, ganz lieblich her.
Unten schuftet man noch sehr:
Ein Altarraum, auch mit Keller
wird gebaut, und luftig, heller
wird auch die Empore jetzt.
Eine Orgel wird gesetzt
seitlich hin, und vorn aus Stein
steht der Altar, massiv, nicht klein!
Neunzehnsechsundsechzig : Weihe
der Erweiterung. Die Reihe
der Umbauten geht noch weiter.
Raum vergrößern stimmt doch heiter!
Neunzehnsieb'nundsechzig kommt
der Clubraum noch hinzu. Nun frommt
froh jede Gruppe ihrer Ziele,
davon gibt es immer viele.
Jeder Teil hat Zeit und Raum,
Gemeinde wächst, trägt Frucht und kaum
hat man gut Quartier bezogen,
spannt man weiter seinen Bogen
und stellt fest: Zur guten Feier
braucht ein Protestant als Bayer
auch die Straße mit dazu!
Neunzehndreiundsiebzig – Clou
des Kirchweihfestes: Straße!
Straßenfest ignoriert Maße
jedes Grundstücks, macht es groß.
Immer mächtig ist was los,
und so wird es Tradition.
Jeder mag es, kennt es schon.
Zweitausend wird die Kirche schön,
neu renoviert toll anzusehn.
Das Pfarrhaus kriegt ein neues Dach,
die Orgel macht man fit für Bach,
sogar mit Farbe außen dran,
damit man sie auch sehen kann.
Kirchenfenster wieder fest,
die Jugend renoviert den Rest
im Keller selber, ein Applaus!
Fast wie neu wirkt nun das Haus!
Nur zu eng ist es geworden.
Täglich drängen ganze Horden
rein in das Gemeindehaus,
machen was und kommen raus
und sind K.O. – so eng ist es.
Man hofft auf Geld und Cleverness.
Der Hirte heißt seit ein paar Jahren
Pfarrer Maiwald. Ihn gewahren
wir als Pfarrer, Sportler, Sänger,
Kinder- und Familienfänger.
Frischen Wind er immer bringt,
was sicher bis nach oben dringt.
So finden sich in Schwabenseelen
heute viele Evangelen.
Johanneskirche heißt ihr Heim.
Seit fünfzig Jahren wächst der Keim.
Die Kirche macht uns stolz und froh.
Gott segne sie. Uns ebenso.
Elisabeth Hawelka