Evangelisch-Lutherische
Johannesgemeinde Meitingen
Grußwort

 

99/2011 - Dez 11 - Febr. 12

A uch einmal
Schwäche zeigen

Liebe Christin,
lieber Christ,

da war sie vor mir herumgeturnt –
die kleine Maus, mein jüngste Nichte. Ganz klein und zart ist sie, hat ein so bezauberndes Lächeln.

Und auf einen Schlag waren all meine Sorgen, all mein Kummer wie weggeblasen.

Mein Leben war für einen Moment ganz leicht, wie verzaubert. In diesem Augenblick musste ich keine Stärke zeigen. Ich musste nichts beweisen – den anderen nicht und mir erst recht nicht.

Das Leben leicht nehmen, auch einmal Schwächen zeigen und nicht ständig Leistung bringen müssen, nicht mit dem Kopf durch die Wand wollen und dabei die Brechstange ansetzen. Warum fällt es uns so unglaublich schwer? Immer wollen wir stark sein. Wer ist schon gerne schwach.

Doch gerade Gott ermutigt uns doch dazu, denn das Schwache ist bei ihm mächtig und nicht das Starke. Ihm ist es wichtig. Nicht die Starken sind der Schatz der Kirche, sondern die Schwachen.

Warum sonst erblickt unser Herr und Heiland Jesus Christus als Baby das Licht der Welt? Warum zieht er in Jerusalem ein - nicht hoch zu Ross, sondern sitzend auf einem Esel?

So ist er auf Augenhöhe mit den Menschen. Er thront nicht über uns, sondern er ist mitten unter uns, bei jedem von uns mitten in unseren Herzen. Er beugt sich ganz zu uns herab in unsere tiefsten Tiefen.

Das Rühmen und das Blenden ist nicht unseres, sagen wir Christen. Unsere Schwächen sind unsere eigentlichen Stärken.

Jesus Christus sagt uns: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Kor. 12, 9a) - So die Jahreslosung 2012.

Ganz versonnen blicke ich in das strahlende Gesicht meiner Nichte und denke mir: Das Leben leichter nehmen, auch mal Fehler machen dürfen, nicht mehr alles so ernst nehmen und hinter allem ein Problem vermuten, wo oft keins ist – ja wirklich ein Kind Gottes werden.

Ja, es stimmt, wenn Gott sagt, seine Kraft ist in den Schwachen mächtig.

Ganz versonnen blicke ich in die Augen meiner Nichte. Und mir geht es wieder gut.

Ganz versonnen werde ich mich auf dem Weg machen zum Kind in der Krippe, von seiner Schwäche lernen und Gottes Kraft tanken für die nächsten 365 Tage.

Seien Sie mit dabei – ich freue mich auf Sie.

Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und ein gesegnetes neues Jahr: Machen Sie es menschlich!

Ihr Pfarrer Markus C. Maiwald

 

98/2011 - Sept - Nov. 2011

Schön, dass du da bist!

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Schön, dass Sie da sind.“

Irgendwie ein Standardspruch von mir, aber ich meine ihn von ganzem Herzen.

Ich freue mich einfach, dass Sie da sind, dass Sie den Weg in unsere Johanneskirche finden, dass Sie zu unserer Kirchengemeinde gehören.

Mir ist dieser Spruch wichtig. Warum? Er erinnert mich an meine Taufe, Sie an Ihre Taufe. Sie denken jetzt bestimmt. Das verstehe ich jetzt aber gar nicht. Wie meint er das jetzt? Was hat das mit der Taufe zu tun?

Lassen Sie mich erklären: In der Taufe sagt Gott Ja zu mir. Er sagt zu mir: „Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebter Tochter. Ich habe Dich ins Leben gerufen. Du bist mein.“ Im Prinzip sagt Gott zu mir: „Schön, dass Du da bist.“ Und ich antworte mit einem Psalmwort: „Ich danke Dir, Gott, dass ich wunderbar gemacht bin.“ (Ps. 139, 14)

Manchmal stehe ich vor dem Spiegel und kann das ganz und gar nicht glauben.

Vieles macht mich traurig. Über vieles bin ich entsetzt. Bei vielen Dingen bin ich machtlos. Vieles nimmt mich gefangen. Oft bin ich auch in mir selbst gefangen. Dann fühle ich mich wertlos, mein Handeln ist hier nutzlos.

In solchen Situationen des Gefangen-Seins durch äußere Umstände und des Befangen-Seins in mir selbst halte ich mich an meine Taufe, das Versprechen, das Gott mir in der Taufe geschenkt hat. Und schon weiß ich mich befreit von meinen Fallstricken und Fehlern. Ich bin Sohn Gottes, gehöre ihm und nicht dieser Welt.

Sie kann mich nicht endgültig gefangen nehmen, denn zur Freiheit hat Christus mich befreit. Immer wieder stellt Gott meine Füße auf weiten Raum.

Es gilt auch für Sie, liebes Gemeindeglied.

Deswegen sage ich als Pfarrer immer: „Schön, dass Sie da sind.“

Also: Blicken Sie am Morgen in den Spiegel und denken Sie sich: „Schön, dass Du da bist!“ Sie werden merken, damit geht der Tag viel beschwingter los. Ihnen oft einen guten Start in den neuen Tag und stets eine behütete Zeit!

Leben und das Licht kommt uns entgegen in Christus.

Ihnen eine wunderbare und behütete Sommerszeit:
Machen Sie es gut und bleiben Sie gesund!

Ihr

Pfarrer Markus C. Maiwald

 

96/2011 - März bis Mai 2011

Himmelhoch jauchzend,
zu Tode betrübt….

Liebe Christin , lieber Christ,

wir Menschen brauchen doch Halt! Wieder stießen bei mir Hoch und Tief so hart aufeinander, dass es in meinem Kopf nur so explodiert ist. Die ganze Woche über hatte ich 5 Taufen angenommen. Ich freute mich mit den Eltern über das Geschenk des neuen Lebens. Ich teilte mit ihnen ihre Freude. Doch am Donnerstagabend weinte ich mit einem jungen Paar. Ihr junger Sohn hatte nach 5 Tagen einfach aufgehört zu atmen. Ein schwerer Schlag für die Eltern. Eben noch das Jauchzen und Jubeln, jetzt das Klagen und Weinen. Die Freude über die Geburt und die Trauer über den frühen Kindstod – himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt - prallt klirrend aufeinander. Kaum zu ertragen. Kaum zusammen zu halten. Hätte ich nicht die Zuversicht in Gott, die die Bruchstücke des Lebens zusammenhält, - ich müsste verrückt werden.

Auch Mose hatte viele Höhen und Tiefen in seinem Leben. Fast hätte es ihm das Herz zerrissen, doch er hat an seinem Weg festgehalten. In seiner Enttäuschung geht er ein letztes Mal auf den Berg Gottes. Er will Gewissheit. „Gott, lass mich deine Herrlichkeit schauen.“ Doch Gott sagt: „Nein. Aber Du, Mose, bekommst eine Gewissheit, die Du nie verlieren wirst.“ Mose will völlig aufgehoben sein in der Fülle, in der Herrlichkeit, in der Schönheit Gottes. Mose will Gott schauen von Angesicht zu Angesicht. Aber er bekommt das nicht. Gott sagt zu Mose: „In eine Felsenkluft stelle ich Dich, zwischen Felsen, mit einem Blick zum Himmel, wie ein tiefer Brunnen, auf dessen Grund Du sitzt.“

Aber es gibt einen Trost: Hoch über dir leuchten die Sterne, ein Ausschnitt des Kosmos, dir noch zugeteilt, wie im Gefängnisfenster der Löwenzahn, die einzelne Blume, die die Verheißung aufrecht erhält: auch dir blüht noch was. Doch zuletzt wird dir auch diese Aussicht zugestellt. Du bist von Finsternis eingeschlossen, von allen Seiten. Doch du hörst Gottes Wort: „Was Dir das Licht verdeckt, bin ich selbst. Es ist meine Hand, die so dunkel auf Dir liegt, schwielig und hart. Du meinst, Du wärst begraben von Schwärze, doch ich bin es, in dem Du begraben bist; ich bin, was Dir fehlt.“ Wie Gott bei Mose die Felsspalte verschließt, während er vorübergeht, so ist es Gottes Dunkelheit, die dich nach Gott schreien macht.

Gott ist eben nicht allmächtig. Ein solches Gottesbild ist Alptraum eines kleinkindlichen Glaubens. Schon Mose wurde dieser Glaube ausgetrieben. Der Allmächtige war und ist für solchen kleinkindlichen Glauben die Ausrede für all die menschlichen Gräuel. Wir fragen uns: „Wie kann Gott das zulassen?“ und widmen uns weiter unseren eigenen Geschäften. „Hat Gott Interesse an ihm, dann soll er ihn doch erretten.“ So die Mörder und Schaulustigen unter dem Kreuz.

Gott ist anders. Er ist alle Macht. Er ist alle Energie. Er ist die Power der Naturkräfte und die Lust der Freudentänze. Er ist das Lebendige in allem Fleisch, er ist die Liebe und der Mangel. Er liebt in den Begeisterten, darbt in den Einsamen, trauert in den Hinterbliebenen. Er lacht und feiert mit den frischgebackenen Eltern. Auch den Schmerz der trauernden Eltern, die so früh ihren Sohn verloren haben, fühlt er als Stück von sich.

Was für uns so auseinander klafft, Freude und Grauen, Glück und Schmerz, spielt sich in Gott ab. Die Freuden und die Schmerzen des Lebendigen erfährt er ganz am eigenen Leib. Er ist das Bewusstsein der Welt, das geheime Herz von allem. Alles lebt aus ihm, vor ihm, durch ihn, zu ihm. Wir werden ihn schauen von Angesicht zu Angesicht. Deswegen gilt: „Die Einzigartigkeit jedes einzelnen von uns wird erhalten bleiben. Und diese unsere Einzigartigkeit werden wir erst bei Gott erkennen, wenn unsere Mission hier auf Erden zu Ende ist.“

Bis dahin sehen wir wie in einem beschlagenen Spiegel ein dunkles Bild, so Paulus. Gut, dass wir einander immer wieder die Linien nachzeichnen: Du bist geliebt, gebraucht von Gott mit all deiner Sympathie für das Leben! Die Widmung, die jeder bekam, als Gott ihn auf die Erde schickte.

Lasst uns viel vom anderen halten. Lasst uns ihn erheben. Stärken wir ihm die Lust zu leben. Flößen wir einander Zuversicht ein. Glauben wir an den Heiligen Geist in einem jeden von uns. Lasst uns wissen: jedes aufatmende Seufzen ist Gebet. Und nehmen wir Anteil.

Manchmal schlägt Leid so nah neben Glück ein, dass der Schrei gellt: „Warum ich, warum denn das jetzt?“ Ich antworte: „Denk bitte nicht an Schuld. Weder hast du dein Leid dir alleine eingebrockt, noch dir dein Glück allein verdient. Leid und Glück kommen über uns, sie müssen getragen und geteilt werden. Und Leid ist nicht alles. Schon tief im Leid fängt Aufatmen an. Der Trostvogel singt schon, während die Nacht noch dunkel ist.“ Der Psalmist sagt es so: „Finsternis ist nicht finster bei Dir; Finsternis ist Dir Licht, und die Nacht leuchtet wie der Tag.“ (Psalm 139,12).

So sagte ich den trauernden Eltern: „Im Himmel sitzt er jetzt, euer Kleiner - wie auf einem Stern, den ihr in klaren Nächten sehen könnt - aber ihn könnt ihr nicht direkt sehen. Ich hoffe für euch, dass ihr ihm irgendwann begegnet und dass er eure Trauer auflöst. Meine Oma, die ihr erstes Kind als Säugling verloren hat, starb mit dem Bewusstsein: >Jetzt treffe ich ihn wieder, meinen Hansi.< Sein früher Tod blieb für meine Oma stets eine Wunde, die geschmerzt hat bis ans Ende ihres Lebens. Dieser euer Verlust ist schrecklich. Vielleicht kann die Hoffnung meiner Oma euch trösten. Das wünsche ich euch von Herzen.“

Wir alle sind in Gottes Hand, auch wenn sie sich manchmal hart anfühlt.

Ihr Pfarrer Markus C. Maiwald

 

 

 

 

 

 

home