Ökumenischer Traum

Einen Tisch träume ich, unendlich in allen Dimensionen. Ungezählten Menschen bietet er Platz. An dem Hände sich berühren, Blicke sich begegnen, Worte Widerklang finden.

Einen Tisch träume ich, der aller Gastgeber ist. Jeder – so gewollt – wie Platz genommen, einfach willkommen. Einen Tisch träume ich, an dem kein Mund leer, kein Herz trocken bleibt.

Worte werden gereicht, die nach Dank schmecken, Lieder gesungen, einfach zum Geschenk. Ein Stück Brot und ein Schluck Wein sättigen für diese Stunde, jenseits von Raum und Zeit - mit Dir.

Ich träume ein Mahl, das die Menschen vereint, von allen Gesichtern dieser Welt lebt. Ein Krümel die Welt sättigt und ein Schluck, der spüren lässt: „Du bist aller Gastgeber“.

Christoph Stender

Eine Orientierungshilfe des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland

Zwischen Autonomie und Angewiesenheit
Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken

So der Titel der neuesten Denkschrift der EKD, der Evangelischen Kirche in Deutschland. Und die Wogen schlagen hoch. Denn die EKD nimmt Abstand von der Ehe als alleiniger Norm und setzt sich für ein weiteres Familienbild ein. Es umfasst auch gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern.

Was wird kritisiert? Es sei eher "von politischer als kirchlicher" Denkweise, so der Evangelische Regensburger Regionalbischof Hans-Martin Weiss. Er zollte dem katholischen Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer "großen Respekt". Voderholzer urteilt, dass die EKD in dieser Schrift sich abwendet von der biblischen Sicht von Mann und Frau. In einer Predigt sagt Voderholzer, sich an die Evangelischen Mitchristen wendend: "Kehrt bitte auf den Boden der Heiligen Schrift zurück! Welchen Sinn soll Ökumene haben, wenn das gemeinsame Fundament der Heiligen Schrift nicht mehr ernst genommen wird?" Man solle das christliche Familienbild aus der Bibel heraus entwickeln, so Voderholzer (kath.) und Weiss (ev.-luth.) unisono. Ablehnung kam auch vom Kirchenpräsidenten der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Joachim Liebig (Dessau-Roßlau). Das Scheitern aufgrund wechselhafter Gefühle sei landauf landab legitim. Klar können Ehen auch scheitern, aber man soll trotzdem an dem Ideal lebenslanger Treue festhalten - Liebig wörtlich: "Meine Frau und ich sind seit 26 Jahren glücklich verheiratet und entschlossen, unser Eheversprechen bis ans Lebensende einzuhalten."

Unser bayerischer Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm beurteilt die Ausrichtung der Denkschrift positiv: "Die ethischen Standards, die der Ehe ihre bleibende Bedeutung als Leitbild geben, sollen als Orientierung für alle Lebensformen gelten." Die Ehe bleibe "ein Zukunftsmodell, weil sie einen äußeren institutionellen Rahmen für das gibt, was wir aus der Sicht christlicher Ethik für alle Beziehungen wünschen müssen: Treue, Verlässlichkeit, Schutz der Schwächeren und ein Umfeld der Geborgenheit für die Erziehung von Kindern." Das sei eine wichtige Aufgabe der Kirche, "den Menschen zu zeigen, dass verbindliche Lebensformen, wie etwa die Ehe, eine große Hilfe und Bereicherung für das gemeinsame Leben sein können". Die Ehe habe für Christen einen hohen Stellenwert, "weil viele Ehepaare die Erfahrung machen, dass ein Zusammenleben in Verantwortung und Treue eine tragfähige Grundlage für das Zusammenleben darstellt", so Bedford-Strohm. Dies bezeuge auch die Bibel ausdrücklich.

Das hört sich spannend an. Ich möchte diese "Orientierungshilfe" selber einmal lesen, um mir eine eigene Meinung zu bilden. Das ist auch der Sinn einer solchen Denkschrift. Sie soll zum Nachdenken anregen. Sie können sie unter http://www.ekd.de/EKD-Texte/2013.html direkt downloaden oder in Papierform bestellen unter 0 52 41/ 74 05-0. Jedenfalls stehen uns heiße ökumenische Diskussionen ins Haus. Davon bin ich fest überzeugt. Ihnen liebe Grüße,

Pfarrer Markus Maiwald

   
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